Label Focus: 777 Recordings

In Berlins Neuköllner Ossastraße fiel 2013 der Startschuß für 777 Recordings. Nach einer Jam Session mit seinem Nachbar Pablo Mateo entschloss sich Ron Wilson dazu einige der dabei entstanden Tracks auf Platte rauszubringen und so entstand mit „Ossa Jams 1“ die erste Katalognummer, 777_01 von Ron Wilsons Label.

Der gebürtige Berliner ist schon lange fester Bestandteil des Berliner Nachtlebens. Von Servicetätigkeiten in Clubs bis hin zum Booking, als Veranstalter diverser Clubnights und natürlich als DJ. Die dabei gesammelten Erfahrungen werden in 777 gebündelt. Vom Label über den Vertrieb bis zu den regelmäßigen Labelnights im Ohm oder auch ://about blank, die für Ron Wilson auch keine unwichtige Rolle spielen: „Mir sind Labelnächte auf sehr vielen Ebenen wichtig. Für ein Label ist es natürlich ein guter Weg mehr Sichtbarkeit zu generieren, beziehungsweise das Ganze weiter zu bewerben. Aber ich finde es auch interessant durch solche Veranstaltungen mit Leuten direkt in Kontakt zu treten und nicht nur digital. Vor Allem finde ich es wichtig für die Künstler! Ich versuche regelmäßig solche Nächte zu planen, damit ich jeden mehr unterstützen kann. Aber ich bin ehrlich, es macht auch Spaß.“

„Die Musik ist ja Underground und kommuniziert eine Art Anonymität und zeitgleich auch Zusammengehörigkeit. Wie beim Graffiti, wo es auch um das Individuum und die Crew geht.“

Etwa vier Jahre nach dem ersten Release zählt neben den elf Releases des Mutterlabels 777 auch zwei Sublabels, die mehr oder weniger einfach so entstanden sind: „So richtig war Nichts geplant aber dann auch irgendwie schon“, sagt Ron dazu: „Ein Kumpel aus Kroatien gab mir zwei Tracks und ich hatte einfach Lust das zu pressen, beziehungsweise hatte ich zum Glück die Möglichkeit dazu. Und glücklicherweise machte sich die Scheibe ganz gut obwohl sie aus mehreren Gründen keine Infos hergeben sollte oder Promo geschah.“ Die Rede ist von der Anfang 2016 auf dem LLL Sublabel erschienenen 12″ von SZCH der low income $quad aus Zagreb: Dann überlegte ich mir ernster eine Sublabel-Serie mit FFF zu starten“, erzählt Ron Wilson: „Eine weitere Plattform für die Künstler, ein anderes Spektrum an Sound. Noch offener und deeper kann man das vielleicht beschreiben. Da muss bald mal wieder was passieren.“

An den Vorlieben des Labels hat sich auch bis heute im groben nicht großartig etwas geändert. Zumindest was die sympathische DIY-Arbeitsweise angeht. Die Cover Artworks werden von Graffiti Artist Core gezeichnet und im Anschluss selbst via Siebdruck auf die Sleeves übertragen, was das Erscheinungsbild des Labels auch maßgeblich mit prägt: „Ich komm aus Berlin und in den 90ern war in Kreuzberg, wo ich damals gelebt habe, Graffiti und Straßenkunst einfach eine Sprache mit der man aufwächst. Es ist eine kraftvolle Kunstform und ich habe mich viel damit beschäftigt. Es passte zum Stil des Labels. Die Musik ist ja Underground und kommuniziert eine Art Anonymität und zeitgleich auch Zusammengehörigkeit. Wie beim Graffiti, wo es auch um das Individuum und die Crew geht.“

Gewachsen ist das Label in verschieden Bereichen aber dennoch. Der Vertrieb wird beispielsweise zwar nach wie vor selbst in die Hand genommen, betreut seit Ende 2016 allerdings als Wrong Hands Distribution auch unter Anderem Labels wie Drowned, Black Opal, LAN oder auch Portray. Ebenso sind seit kurzem auch alle Releases über die eigene Bandcamp-Seite digital verfügbar und nicht mehr ausschliesslich auf Vinyl.

Der Sound des Labels ist vielseitig, wenn auch oft eher kernig und roh. Für mich war sicherlich „Youtube Rips“ von Glyn aka ngly ein Highlight. Die Artists auf 777 findet man in verschiedenen Teilen der Welt. Der Brasilianer Seixlack, Orson Wells aus Frankfurt am Main, Brighton aus Kroatien, Roger 23 aus Saarbrücken oder Futers aus Großbritannien. Kürzlich erschien mit der EP „August“ von XAN aus Russland das elfte Release des Labels„Manche Künstler sind ja schon Freunde und vertrauen mir Tracks an. Bisher habe ich aber auch mehr Künstler einfach online angeschrieben oder es wurden mir Demos zugeschickt, wodurch eine Zusammenarbeit entstanden ist. Man lernt sich eigentlich erst ein wenig kennen und redet auch darüber wie die EP als Ganzes transportiert werden soll.“ 

777 Recordings steht von Anfang an für eine hohe Qualität der Releases, überrascht immer wieder und bringt stetig neue Künstler auf den Radar. Ein Label an dem man einfach dranbleibt. Weil es Spaß macht was rundherum passiert und weil es einfach sehr gut ist.

Links

Bandcamp | Instagram | Soundcloud | Facebook | Twitter

Copyright all images © 777 Recordings